Projekt: KG IWAN

zum Projekt: www.kg-iwan.de

KG IWAN

KG IWAN 1996
Schornsteine

Ein Stahlwerk macht dicht.
12 Schornsteine, einst Lebenszeichen eines gigantischen Werkes, Symbole einer ganzen Stadt, sind abgerissen.

Die Erinnerung an Qualm, Dreck und Feuer ist festgehalten auf transparentem Papier, der Staub hat sich dort abgelagert und auch die Wehmut, Unwiederbringliches verloren zu haben. Und doch - hat man nicht lange genug darum gerungen, dass es endlich ein Ende hat mit dem Dreck und dem Qualm?


KG IWAN 1997
Spurensuche

Seit 5 Jahren wurde auf dem Gelände des alten Siemens-Martin-Stahlwerks demontiert, abgerissen, planiert, umgebaut.
Wo einst 24 Stunden am Tag gearbeitet wurde, wo es krachte, quietschte, hupte und pfiff: Stille.
Wo man mühsam und nur als Eingeweihter den Weg fand zwischen Schrottbergen, Gleisen , Buden und riesigen Hallen: Leerräume.

Der Gang über das große Gelände war Abschied und Neuanfang zugleich, schon waren neue Areale abgesteckt und doch fanden sich überall Spuren des alten Werkes. Schrauben, Schrott, Reste von Legierungen, Scherben, Schuhe und Handschuhe, eine Tasse und krummes Alu-Besteck …

Der Gigant war verschwunden und hatte tausende kleiner und kleinster Spuren hinterlassen.
Die galt es nun, zu sammeln und zu sichern und künstlerisch gestaltet an einen geschützten Ort zu bringen.

Der Ort war die kleine Kapelle St. Petri auf der Brandenburger Dominsel.
Sie umhüllte die Spuren von 800.000m² Industriegelände.


KG IWAN 1998
Stadtzeichen

Brandenburg an der Havel wurde 1050 Jahre alt, es galt, ein Zeichen zu setzen.

Den Stadtraum thematisieren, ja. Aber was sind Räume, immer nur INNEN-Räume ?

Das Thema Stahlwerk war abgeschlossen, geblieben war vom letzten Projekt die Erinnerung an diesen beeindruckenden Ort Petrikapelle auf der Brandenburger Dominsel.
1998 war die Petri-Kapelle geschlossen, das Dach wurde erneuert , das ganze Gebäude war eingerüstet. Im Garten wetteiferten Wild- und Kulturpflanzen um den ersten Blick über die Mauer.

Der INNEN-Raum Garten war AUSSEN-Raum der Kapelle. Kapelle und Garten korrespondierten mit dem Stadtraum.

Farbige Bänder wurden zum Netz, vereinigten sich mit Baunetzen und realen Spinnennetzen zu einem Gewebe, das das Gebäude umschloss und gleichzeitig mit seiner Umgebung verband.

Der historische Ort war zum Zeichen geworden.


KG IWAN 1999
Feuerwerkslaboratorium

Es gibt Orte, die scheinen Märchen entsprungen oder Märchen müssen dort entstanden sein.
Dornröschenschlafend, haben sie einen eigenen Rhythmus, unterscheiden sich unerklärlich von dem ach so normalen Umfeld.
Manchmal gelingt es, den Frosch an die Wand zu werfen, aber Prinzen lassen sich nicht sehen.
Rubinien und Brombeeren wachsen und Schneewittchen im Glassarg wartet immer noch auf den stolpernden Zwerg.

Aus Möser ist Kirchmöser geworden.
Die Paläste der Königlich Preußischen Pulverfabrik, kaum errichtet, schlossen die Pforten.
Die nächsten Herrscher waren Beamte der Deutschen Reichsbahn.
Die Russen kamen und gingen wieder.

Betriebsamkeit, Bewegung wendeten sich zu Stille, Bewegungslosigkeit, Resignation.
Menschen wehren sich, wühlen, rackern, kämpfen.
Die Legenden haben sie längst vergessen.

Doch etwas Pulver ist noch geblieben, wird es genügen, auch Schneewittchen zu wecken und wer wird es finden ?


KG IWAN 2000
Fenster

Brandenburg schaute zurück auf 10 Jahre Stadtsanierung.
Knapp die Hälfte der Gebäude der historischen Innenstadt war gesichert und saniert, aber es gab immer noch jede Menge architektonischer Perlen ohne Eigentümer oder Nutzer.
So das Haus Domlinden 7, eine Villa aus den 20-er Jahren ,für nur eine Familie großzügig gebaut im Garten-Stil, mit herrlichem Gründstück zur Havel, während der DDR genutzt von mehreren Familien, die alle Spuren hinterlassen hatten: Durch Einbauten, Umbauten, Tapeten und Wasserhähne.
Fenster waren geschlossen worden, Fenster waren dazugekommen.

Fensterrahmen aus der Bauzeit der Villa, lieblos entfernt bei einer Renovierung, aber aufgehoben als Abdeckung für ein Frühbeet, kehrten als Kunstobjekte in ihre ureigentliche Umgebung zurück.


KG IWAN 2002
o.revoir

Der Innenraum der Kapelle St. Petri in Brandenburg ist geprägt von karger Frühgotik mit einem wundervollen Zellengewölbe, das alle Blicke auf sich zieht.

Und nun ist der Raum gefüllt mit hunderten transparenter Engel, scheinbar ziellos frei , doch gefangen zwischen den Polen Licht und Dunkelheit, Wahrheit und Lüge.

KG IWAN 2003
stella ad terram

Zitat PNN 02.08.2003:

… Besonders die Stülerkirche in Caputh … ist reich mit Sternen gesegnet.
… Was Wunder, wenn die Künstlergruppe IWAN noch eins draufsetzte.
… Die Sterne sind hier nun greifbar nahe.

Über einen 15 Meter langen Läufer, der den Besucher an der Eingangstür begrüßt, geht man in das Gotteshaus, über einen Sternenteppich. Auf dieser … Textilie wiederholt sich das Sternenbild der Kassettendecke, natürlich mit den Händen und Augen heutiger Künstler gesehen.
Der Gottesdienst– und Konzertbesucher kann zudem auch auf Sternenkissen sitzen. …
Die enorme Fleißarbeit zeigt auch die Fantasie reiche Gestaltungskunst von IWAN.


KG IWAN 2004
cafe´nobel

Idylle am Seddiner See mit Fertigteil-Papp-Bungalows, Fahnenmast und Kinderferienlagerflair.
Daneben fein und chic die Heimvolkshochschule, das Wort schon kaum zu bewältigen.

Was also läge näher, als diese Situation auf den Kopf zu stellen?

Die Stühle mutieren zu Dachstühlen, die Betten werden zu Wandbetten, die Kellnerin flieht und hinterlässt nur ihre Hülle und der Tisch ist sowieso nicht zu gebrauchen ...


Kowalski & Goldmann 2005
Textile Installation

Stahnsdorf Südwestfriedhof: Landschaft, Park, Geschichte, Gefühle …
Im Mai Grün in all seinen Möglichkeiten.
Dazwischen, sparsam den Weg markierend, roter Stoff, in Streifen gerissen, zu neuen Formen verbunden, verknüpft, verwoben.


KG IWAN 2006
Im Goldenen Vlies

Im ehemaligen Kuhstall des heutigen Kunsthofs Lietzen (im Oderbruch) entstand die Installation: das goldene Vlies als Sinnbild für die Suche nach dem Wunderbaren, aber ebenso nach Reichtum und Macht.

Segelförmige halbtransparente Flächen, vom Fußboden bis zur Decke über gespannte Kabel verbunden, erzeugen einen labyrinthähnlichen Eindruck. Dazwischen Objekte, die zugleich anziehen und verwirren: insektenähnlich aggressiv; ein Drahtgestell-Hirsch mit goldenem Geweih; das geflügelte Schiff – die Argo…..
Von der Decke hängende transparente Folien mit Figuren und Ornamenten in weiß, schwarz und gold schaffen Assoziationen zum Thema, zum Mythos aus der griechischen Antike.


2007 ÖPNV-aus Freude am Warten

Warte, warte nur ein Weilchen …
Kommt der Bus, oder kommt er nicht?
Hier kann man ja warten, bis man schwarz wird …
Ich bin schon ganz gelb vor Ärger.

An der Haltestelle in Gottsdorf hält kein Bus mehr, sie ist zum Kunstort geworden, IWAN wartet dort auf - ja auf wen eigentlich ? Auf Godot?

In Caputh hält wenigstens noch ein Zug, der Bahnhof wartet auf den heiligen Investor, irgendwo gibt´s den schon, und für Kunst hat er einen Sinn. Und die Polizei ist sehr wachsam, wenn einige ältere Damen den Bahnhof mit klugen Sprüchen „beschmieren“…

Es dampft die Dampflok, der Wecker klingelt, der Bus fährt vorbei …